Auch Mozart, Beethoven & Co. waren nur Menschen. Warum Schüler nicht nur die geniale Seite der Komponisten kennen lernen sollten, schildert Wulf Dieter Lugert.

© EMI Classics / Steve Double

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Stellen Sie sich vor, Sie leben im Jahr 1790 als relativ wohlhabender Bürger in Wien. Damit gehören Sie zu den etwa zwei Prozent der Einwohner, die es sich leisten können, die Stars ihrer Musik live zu erleben. Da ist vor allem einer, der in Salzburg der Obrigkeit die Stirn geboten hat und nun mit großem Erfolg als freier Komponist in der Musikmetropole arbeitet: Wolfgang Amadeus Mozart.

Seine Musik ist modern und unterhaltsam – gerade hat er einen Auftrag für ein Singspiel in deutscher Sprache angenommen, das in einem Volkstheater aufgeführt werden soll. Er verdient mit seinen Auftragswerken und „Akademien“ (Konzerten) sehr viel Geld, das er auch sehr gut auszugeben weiß: eine eigene Pferdekutsche, teuerste Modekleidung, eine Luxuswohnung, Spielleidenschaft …

Die Genies waren auch Menschen
Das ist die Realität einer Musikkultur, die den Schülerinnen und Schülern viel zu lange als quasi „außerirdisch“ vermittelt wurde. Mozart oder Beethoven spielten als Menschen keine Rolle, sie waren Genies.

Dass Beethoven wohl ein recht unangenehmer Zeitgenosse war, würde seinem Ansehen schaden, so meinten und meinen heute noch manche Musikpädagogen. Das Gegenteil ist der Fall: Ihn unerreichbar auf den Olymp zu heben, machte ihn und seine Musik unerreichbar für viele Menschen.

Mozart war – wie Falco richtig besang – ein Popstar seiner Zeit. Im Lugert Verlag versuchen wir, dies den Schülern nahe zu bringen und seine Musik als Angebot in den Unterricht einzubringen: Seht her, diese Musik hat dieser Komponist unter diesen Bedingungen komponiert und aufgeführt. Dabei unterscheidet sich die Herangehensweise dort nur wenig von der Behandlung zeitgenössischer Popmusik, wo es sich um historische Popmusik handelt. Und dort, wo es sich wirklich um ernste Musik handelt, gibt es genügend zeitgenössische ernste Vergleichsmöglichkeiten, um auch dies begreifbar zu machen.

Den Mensch hinter der Musik kennen lernen

Wie sehr muss Schubert unter der Ablehnung durch seinen Vater gelitten haben? Und unter dem Wissen, an der damals als unheilbar geltenden Syphilis erkrankt zu sein? Hört man das in manchen seiner Werke? Warum fühlte sich Beethoven gesellschaftlich nicht anerkannt und wollte unbedingt sein „van“ als Adelstitel anerkannt haben? Hört man dies in seinen Werken? Diesen Fragen kann man auch im Musikunterricht nachgehen und dabei spannende Erfahrungen machen.

Es ist natürlich auch einer Reihe von jungen offenen Musikern wie Nigel Kennedy zu verdanken, dass klassische Musik endlich aus der staubigen Luft des Museums befreit wurde und man sich ihr ohne Anzug und Verbeugung nähern darf.

Übrigens: Niemand muss diese Musik schön finden. Und er muss nicht einmal mehr fälschlich behaupten, dass er sie schön findet. Aber die Chance, sie vorurteilsfrei kennen zu lernen und eine eigene neue Entscheidung zu treffen, die sollten wir den Schülerinnen und Schülern geben.

In unserem Online-Shop finden Sie vielfältiges Unterrichtsmaterial zu Klassik für alle Altersstufen. Zum Beispiel die Reihe „Klassik in der Grundschule“ und die unsere Reihe zu den bekannten Komponisten für die Klassen 5-7.